Meine Auswanderung und der Neustart mit FrauBoettner

Es war einmal vor langer Zeit… Eine Zeit vor FrauBoettner.

Manche können sich vielleicht noch erinnern, da flogen meine Finger regelmäßig über die Tasten, um auf meinem Blog muhkuhaddict.com über meinen Fitness Lifestyle sowie das Muhen, Lieben und Leben in Leipzig zu berichten.

Dann folgte meine Schwangerschaft und nun, nach längerer Schreib- und leider auch Sportabstinenz, holte mich 3 Jahre nach meinem letzten Beitrag die Sehnsucht ein.
Zugegeben, ich bin etwas spät dran, um ein umfassendes Throwback der vergangenen Jahre zu präsentieren, jedoch nicht, um Euch ein komprimiertes Update zu liefern, damit ihr zumindest annähernd im Bilde seid.

Nach der Geburt meines Kalbes im Mai 2018, mutierte das Jahr 2019 zu einer weiteren großen Herausforderung.

Neben wunderschönen Erfahrungen, die ich nicht missen möchte, blicke ich auch zurück auf Ereignisse, die wahnsinnig an den Nerven und nicht zuletzt an den Kräften zehrten.

FrauBoettner

Meine Auswanderung

Es kam, wie es kommen musste: Die Kuh ist zu ihresgleichen übersiedelt. Ich lebe, liebe und muhe mittlerweile im wunderschönen Ösiland.

Die Faszination für die einzigartige Naturlandschaft und Bergwelt beflügelten mich und den Stierdaddy ja schon einige Jahre.
Beim Spartanrace in Tirol versetzten wir unser Hirn alle paar Minuten in intensive Tagträumereien: Wie wäre es, hier zu leben?

Für meinen Partner und mich stand fest, dass unser Kalb nicht in der Stadt, mit Blick auf Autos und Häuserfassaden, sondern in dieser spektakulären Kulisse aufwachsen sollte.
Wir machten Nägel mit Köpfen.
Die Entscheidung wurde im September 2018 spruchreif.
Im April 2019 zogen wir zunächst in eine Mietwohnung in Oberösterreich, um uns in Ruhe auf die Suche nach einem eigenem Stall zu machen.
Dieser wurde im Dezember 2020 in Kärnten eingeweiht.

2019 kann auch Arschloch

Dieses Jahr zu beschreiben ist komplex, denn ich war nach der Auswanderung nicht nur wahnsinnig glücklich, da wir eine wunderschöne Wohnung direkt am See beziehen konnten.
Auch sonst ging alles reibungslos über die Bühne.
Der Stierdaddy fand schnell einen guten Job, wir hatten kuhle Nachbarn. Alles schien perfekt.
Etwa 4 Wochen später erhielt ich einen Anruf, der das restliche 2019 zu einem absoluten Arschloch mutieren ließ.

Brustkrebs

Meine Mum hat Brustkrebs

„Ich habe es nicht bemerkt und er hat bereits in die Leber gestreut.“ sagte sie.
Ihre Worte hallten lang nach und es erklang lediglich ein Echo wie in einem großen Raum, der komplett leer war.
Ich musste mich erst einmal setzen.

Am darauffolgenden Wochenende fuhr ich zu ihr nach Deutschland.

Der Krebs hatte sie schwer gezeichnet und ich möchte nicht detailliert darauf eingehen… nur auf diesen einen Blick von ihr, der mir wahnsinnige Angst machte.
Als ich diesen bemerkte, waren ihre Augen leer. Sie hatten ihren Glanz verloren.

In diesem Moment hatte ich das miese Gefühl, dass sie es vielleicht nicht schaffen wird, aber nicht ansatzweise eine Ahnung, dass es so schnell gehen würde.

Mir ist durchaus bewusst, dass man in solchen Momenten positiv denken und kämpfen sollte, aber dafür ist sie eben meine Mum und ich kannte sie seit 38 Jahren.
Ich spürte, als sie sagte, dass sie kämpft und die Behandlungsprozedur überstehen wird, aber selbst nicht mehr an ihre Worte glaubte.

Bereits nach 15 Minuten bat sie mich zu gehen.
Am nächsten Tag nach 10.

Man sagt, dass sich sterbende Menschen kurz vor ihrem Tod zurückziehen und keinen Appetit mehr haben.
Für meine Mum war außerdem jegliche Art der Kommunikation zu anstrengend.
Sie wollte weder telefonieren, noch Besuch empfangen.
Ich „akzeptierte“ das, schickte ihr aber weiter jeden Tag Nachrichten und Bilder, um ihr zumindest auf diese Art und Weise zu zeigen, dass ich da bin.
Dann antwortete sie nicht einmal mehr auf diese.
Bis zum 18.5.2019, als sie mir schrieb, dass ich mir keinen Kopf machen soll und sie mich auch sehr lieb hat.

Am Morgen des 19.5. saß ich auf unserer Terrasse.
In den letzten Nächten hatte ich verständlicherweise nicht gut geschlafen.
Eine Taube setze sich nur wenige Zentimeter entfernt auf unseren Tisch und schaute mich eine gefühlte Ewigkeit an. Wie ich später heraus fand, gehört sie zur Gattung der türkischen Taube. Erkennbar an einem schwarzen Ring im Nacken.
Sie wich nicht von ihrem Platz, legte einen Zweig vor sich ab und flog dann weiter.

Als ich kurze Zeit später erneut raus ging, saß sie wieder dort und machte auch keinerlei Anstalten davon zu fliegen, als ich die Terrasse betrat.
Ich empfand die Situation sehr surreal, und ja, vielleicht bildete ich mir auch nur ein, dass es die selbe Taube war.

FrauBoettner

Sehe ich eine türkische Taube, denke ich an sie

Einige Stunden später erhielt ich den Anruf, dass meine Mum verstorben ist.
Nur fucking zwei Wochen nachdem ich von ihrer Diagnose erfahren habe.
Sie wusste es seit Vier.

Ich vermute leider, dass sie zunächst einmal selbst damit klarkommen, aber uns auch in der stressigen Umzugsphase nicht damit „belasten“ wollte.

Diesen gesamten Zustand zu realisieren und vor allem zu akzeptieren war ein längerer Prozess.
Ich brauche weiterhin Zeit, um mich an die Situation zu gewöhnen, sie nicht mehr anrufen zu können.
Ihr nicht erzählen zu können, wie prächtig sich das Kalb entwickelt oder dass wir nun tatsächlich ein Häuschen besitzen.
Vielleicht wird es irgendwann leichter.
Zumindest hoffe ich das und frage mich oft, wie lang es wohl dauert.

Mein Neustart mit FrauBoettner

Meinen damaligen Blog muhkuhaddict.com startete ich im Oktober 2014 mit der Intention meinen Fitnessverlauf zu dokumentieren und mir damit selbst einen Arschtritt zu verpassen.

Was ursprünglich als zweites Standbein gedacht war, entwickelte sich schnell zur absoluten Leidenschaft. 
Die Leidenschaft für Content Creation und Design.

Den Weg zum hauptberuflichen Content Creator bin ich nach einigen beruflich unbefriedigenden Situationen aus einem Bauchgefühl heraus gegangen.

Ich schmiss meinen damaligen Job als Managerin der Onlinekommunikation und gab die damit verbundene finanzielle Sicherheit gegen jeden Ratschlag auf.

Der Großteil der Gesellschaft strebt einen sicheren und gut bezahlten nine to five Job an. Und das ist vollkommen Ok. Ich sehnte mich nach einem anderen Lebensstil.

Ich wollte mich kreativ austoben und meine Leidenschaft für Content Design weiter vertiefen.

So entstand FrauBoettner.
Auch mit dem Hintergrund, nie zu wissen, wie viel Zeit einem tatsächlich bleibt.
Eine Sekunde im Leben kann alles verändern.
Und ich will definitiv sagen können, dass ich mein Leben in vollen Zügen gelebt habe.
Privat und auch beruflich. ⠀

Zugegeben… einige Artikel passen thematisch nicht auf einen Content Design Blog.
Muhkuhaddict.com war allerdings lange ein wichtiger Teil von mir und somit werde ich einige der Beiträge in meinen neuen Blog migrieren.

Ich denke, das gibt Dir als Leser auch die Möglichkeit, den Mensch FrauBoettner etwas näher kennenzulernen. ♥️⠀

Schön, dass Du da bist.

Cheers, Michi

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Eine Antwort

  1. November 17, 2021

    […] arbeite und mich kreativ auslebe. 2018 wurde ich Mutter und ein Jahr später folgte unsere Auswanderung nach Österreich. 2019 entdeckte ich meine absolute Liebe für das Designtool Canva und beschloss, mich intensiver […]

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